...erschallet ihr Posaunen

...Die Toccata setzte eine Zäsur, ihr folgten zeitgenössische Stücke. Wolfram Dix nahm wieder am Schlagzeug Platz und spielte seine Solokomposition „Schiff mit Flügeln". Gongschläge durchzogen schwer den Raum, mit kreisenden Bewegungen auf der Oberfläche des Instruments erzeugte er Schwelltöne, in diese wiederum flocht er dumpfe Schläge auf die Kistentrommel Cajón ein, ergänzte dies mit dem Klicken der Maraccas und dem Klang der Springdrum, die nicht umsonst im Deutschen Donnertrommel genannt wird. Im Mittelpunkt stand jedoch ein langes Solo auf dem Gong, dessen Auffahren und finales Verebben den Klang-Ort zwischen wohliger Stille und verklingender Unerträglichkeit beschrieb. Ein meditativer Rastplatz ist das. Kann man Wolfram Dix' Komposition deshalb als Neue Kirchenmusik bezeichnen? Warum nicht. Mit einer ziemlich klassischen Botschaft sogar: Das „bis an den höchsten Bord" beladene Schiff der Gemeinde durchquert die Zeiten und mitunter schweren Wasser der Geschichte der Christenheit. Musikalisch - also im Raum und der Zeit klingend - nahm es die Zuhörer auf in sein Kirchenschiff, denn nicht umsonst trägt der Kirchenraum, in dem das Konzert stattfand diesen Namen. Und einmal mehr wird man gewahr, der Mensch ist Klang, und schreibt sich in eine Klanggeschichte ein. Wer jetzt noch behauptet, dies sei nicht „traditionell", vergeht sich an der Bedeutung dieses Wortes. Und weihnachtlich? Wie hieß es noch gleich zu Beginn dieses Berichts, „Texte ziemlich wörtlich nehmen", wer fühlte sich da angesichts Wolfram Dix' Komposition nicht an „Es kommt ein Schiff geladen", erinnert, diesen in schwerer, in sich ruhender allegorischer Bildsprache verfassten Choral? Es ist eines der ältesten Weihnachtslieder, die wir in Mitteleuropa kennen und singen...

tsc/passau-live.de 15.12.2008

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