Klang von Keramikschüsseln

Wolfram Dix bot einen Ausflug in faszinierende Klangwelten

Ein Solokonzert für einen Schlagzeuger? Ein eher ungewöhnliches Erlebnis, das man nicht oft geboten bekommt. Wer bereit war, sich auf dieses Abenteuer einzulassen, wurde von dem Leipziger Jazzmusiker Wolfram Dix in ebenso unbekannte wie faszinierende Klangwelten entführt. „Percussion & Voice" lautet der Titel seines Programms, afrikanischer Rhythmus trifft dabei auf asiatische Obertongesänge, meditativ-mystische Elemente wechseln sich ab mit einem pulsierenden Percussion - Feuerwerk. Am Freitag gastierte Dix schon zum zweiten Mal im Amorc-Kulturforum von Baden-Baden.

Seit rund zehn Jahren beschäftigt sich der Musiker mit dem, was er „Improvisierte Konzeptmusik" nennt. Die Veröffentlichung der Solo-CD „Dix - Percussion & Voice" war dabei lediglich eine Zwischenstation, das Programm entwickelt der Musiker stetig weiter. Kein Konzert klingt wie das andere. Es gibt zwar ein vorgegebenes Gerüst, darüber wird aber improvisiert, je nach Stimmung des Musikers, aber auch nach dem Ambiente des Auftrittsorts und der Atmosphäre während des Konzerts...

Bei seinen Solo - Konzerten setzt Wolfram Dix Bongos, eine Rahmentrommel, ein chinesisches Tam-Tam, Gongs, Glockenspiel, Cymbals, Zimbeln, Cajon und verschiedene Schellen ein, die er wahlweise mit Schlägel, Besen, Hölzchen, Händen und Füßen bearbeitet. Auch eine Auswahl an Keramikschüsseln bringt er zum Klingen. Die Rahmentrommel gilt gemeinhin als eines der ältesten Instrumente der Welt. Ein faszinierender Kontrast hierzu ist die Wave Drum, ein „High-Tech-Bongo", welche Wolfram Dix diese Art von Musik überhaupt erst ermöglicht.

Dieser elektroakustische Drum-Synthesizer produziert beim Spielen futuristische Klangeffekte, insgesamt stehen 100 verschiedene Sounds zur Verfügung. Daneben nutzt Wolfram Dix Loop-Samples, um sich selbst zu begleiten: So spielt er einen Rhythmus oder eine Bass-Linie ein und lässt diese quasi in Endlosschleifen wiederholen. Vor diesem Fundament startet er seine Improvisationen, wahlweise erklingen auch fröhliches Vogelgezwitscher oder kräftiges Sturmrauschen im Hintergrund. Spannend war auch, wenn Dix seine Stimme als Instrument einsetzte: Sein vibrierender Kehlkopfgesang erinnerte an monotone tibetanische Mönchsgebete. Das Ergebnis sind unbeschreibliche Klangwelten. Die Stücke tragen Titel wie „Mantra 1", „Caracho", „...Nisi Intellectus Ipse" oder „Der Stille König". In den drei Sätzen „In Abstracto", „In Concreto" und „In Aeternum" demonstrierte  Wolfram Dix sein gesamtes Klangspektrum: Elektro- - Stakkato mit fast bedrohlich wirkendem Summton zu Beginn, perkussive Parts mit einer Scat-Einlage des Musikers im Mittelteil und filigran-eingängige Meditationsmusik zum Abschluss. 

 ( Georg Keller ; „Badische Neueste Nachrichten", 17.10.2005 )

Zurück